Tätigkeit

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Allgemeine Situation

Hellersdorf, der Ortsteil östlich von Marzahn mit fast 76.000 Einwohnern gehört zum Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Hier gibt es die niedrigsten Mieten in ganz Berlin, was aufgrund der allgemeinen Mietpreiserhöhung in Berlin zu einem Zuzug von finanziell schwächeren führt. Vor allem die Plattenbausiedlungen im Ortsteil Hellersdorf rund um „Helle Mitte“ sind davon betroffen. Es sind auch viele Familien die hier wohnen und auf staatliche Hilfen z.B. Transfergeldleistungen, angewiesen sind. Entgegen der Erwartungen Vieler, hat der soziale Brennpunkt Hellersdorf den niedrigsten Ausländeranteil Berlins. Im Jahr 2012 wurden dort 60% aller Kinder in einem HartzIV-Haushalt geboren. Das kulturelle Angebot in Hellersdorf ist auch eher dürftig und auch die Dichte an Restaurants und Kneipen ist im Vergleich zu anderen Stadtbezirken oder Ortsteilen eher dürftig. Hinzu kommt, dass es in keinem anderen Berliner Bezirk so wenig Sportvereine gibt, wie in Marzahn-Hellersdorf. Eine sinnvolle Betätigung in der Freizeit ist folglich mit Hürden verbunden. Nichts desto trotz gibt es allerdings einige anderweitige Freizeitangebote im Bezirk.

 

Gesamtgesellschaftliche Situation

Die Lebensperspektive von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat sich in den letzten Jahren erheblich verändert. Sie ist geprägt von Unsicherheiten und Orientierungslosigkeit. Die eigene Zukunft ist kaum noch planbar und vorhersehbar. Berufliche Qualifikationen gelten nicht für immer oder sind bereits nach Beendigung der Ausbildung kein Garant für eine Anstellung. Der typische Lebensablauf Schule-Ausbildung-Arbeitsplatz-eigene Familie greift nicht mehr. Diese bisher gültigen verlässlichen Lebensmuster sind brüchig geworden. Zwar besteht durch eine gesellschaftliche Förderung von Individualisierung und Selbstverwirklichung die Möglichkeit der individuellen Lebensführung und für junge Menschen die Chance, eine Vielzahl von eigenständigen Lebensentwürfen zu gestalten. Jedoch müssen diese Entscheidungen überwiegend allein und eigenverantwortlich getragen und durchgeführt werden, weil Vorbilder und Idole immer mehr verloren gegangen sind und familiäre Strukturen nicht übertragen werden können.

Die Gesellschaft verliert für die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen immer mehr an Glaubwürdigkeit, weil von ihr Normen, Werte und Moralvorstellungen beschrieben und propagiert, aber kaum eingehalten werden. Selbst staatliche Institutionen wie Polizei, Gerichte und politische Parteien sind aufgrund bekannt gewordener gesetzlicher Verstöße und Korruption kaum mehr glaubwürdig und ihre Aussagen und Entscheidungen sind für viele nicht nachvollziehbar. Auch Vertrauen in sozialstaatliche Einrichtungen und  Hilfsorganisationen ist nicht vorhanden, weshalb sich viele Kinder und Jugendliche diesen Diensten entziehen. Schule ist aufgrund der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen oft nicht mehr in der Lage, Perspektiven aufzuzeigen und die jungen Menschen auf ihr weiteres Leben vorzubereiten.

Durch eine ungewisse und unkalkulierbare Zukunft und Lebensplanung kommt es bei den Kindern, Jugendliche und jungen Erwachsenen zu einer Orientierung auf die Gegenwart. „Leben für den Augenblick“ bedeutet dann eine stärkere Orientierung an der jeweiligen Peergroup. Das Ergebnis sind Gruppen von Jugendlichen, die völlig verunsichert und mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert sind und nicht wissen, wo und wie sie Hilfe bei der Bewältigung ihrer Schwierigkeiten finden können oder die sich aufgrund mangelnden Vertrauens nicht an die zuständigen Stellen wenden.